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documenta 12
Beirat
Seit Beginn des Jahres 2006 kommt der documenta 12 Beirat regelmäßig
in Kassel zusammen. Er besteht aus rund 40 lokalen „ExpertInnen“,
die Erfahrungen und Perspektiven aus formaler und informeller
Bildung, Stadtplanung, Arbeitswelt, Wissenschaft, sozialer Arbeit,
politischen Organisationen, religiösen und kulturellen Lebenswelten
sowie Kinder- und Jugendarbeit mitbringen. Zusammen mit dem Team der
documenta 12 setzen sie sich mit der Bedeutung der Leitfragen in
Kassel auseinander und verknüpfen diese mit den Mentalitäten,
Kontexten und Themen vor Ort.
Aus den Diskussionen des Beirats um die Bedeutung der Leitmotive für
Kassel hat sich eine Reihe von Themen kristallisiert, die
lokalspezifische Anordnungen der Leitmotive darstellen. So führt
beispielsweise die Frage nach der Moderne unweigerlich zurück zu
Kassels Geschichte als Industriestadt, die sowohl Wohlstand und
sozialen Aufstieg als auch Rüstungsproduktion und Zerstörung
hervorgebracht hat. Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte wiederum aus
dem Geiste des modernen Rationalismus. Ebenso rührt die Frage nach
dem bloßen Leben an diesem historischen Trauma, ist aber gegenwärtig
genauso aktuell, wenn etwa die hohe Erwerbslosigkeit oder die
prekäre Situation von MigrantInnen zu beschreiben ist. Die
Bildungslandschaft in Kassel ist im Umbruch - am deutlichsten wird
dies an der Umstrukturierung der Universität von einer integrativ
angelegten Gesamthochschule hin zu einer Eliteschmiede sichtbar -
jedoch haben zahlreiche Gruppen, Initiativen und Netzwerke längst
begriffen, dass auch ihre gelebte kollektive Praxis eine
Organisationsform der Bildung und der Selbstsorge ist.
Die Arbeit des documenta 12 Beirats setzt sich in der Stadt fort: Um
die Ausprägungen der Leitmotive konkret zu machen und sie als
Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu nutzen,
entwickeln die Beiratsmitglieder praxisbezogene und diskursive
Aktivitäten, die sie in ihren eigenen Formaten umsetzen. So widmen
sich einige StadtplanerInnen und GeografInnen dem Zustand des
öffentlichen Raums, ein Netzwerk von Kinder- und Jugendinitiativen
plant einen Aktionssommer zu den Leitmotiven, Erwerbslose nehmen die
Leitmotive zum Anlass, um miteinander an einer Neubewertung der
Krise der Arbeitsgesellschaft zu arbeiten und dem Zusammenhang von
Bildung, Migration und Ausgrenzung wird eine eigene
Veranstaltungsreihe gewidmet.
Nicht zuletzt sind die Beiratsmitglieder auch Ansprechpartner und
Unterstützung für KünstlerInnen, die ihre Arbeit in Kassel oder mit
Bezug auf diesen Ort entwickeln, indem sie Verbindungen herstellen,
Zugänge schaffen und ihr lokales Wissen in den Prozess der documenta
12 einspeisen.
Bereits in den Monaten vor Eröffnung der Ausstellung werden die
Aktivitäten des Beirats in Kassel Kreise ziehen. Sie geben Impulse
für eine Debatte um die gesellschaftliche und politische Bedeutung
der Leitfragen und ermutigen das Publikum der documenta 12, die
Leitfragen und schließlich auch die Kunst auf sich selbst und ihr
Umfeld, auf ihr eigenes Leben zu beziehen.
Der documenta 12 Beirat wurde in Zusammenarbeit mit dem Kasseler
Kulturzentrum Schlachthof e.V. gegründet und wird in dieser
Kooperation entwickelt und begleitet.
Wie ist die Struktur des
Bildungszeltes?
Inhaltlich ist die
Vorgabe für alle Veranstaltungen im Rahmen des Bildungszeltes, etwas
zu mindestens zwei der drei Leitbegriffe „Bildung – Migration –
Ausgrenzung“ beizutragen. Es sind vielfältige Formen, die möglichst
weitgehend eine aktive Teilnahme der Bildungszeltbesucher zulassen,
fordern und fördern. Ausgangspunkt sind inhaltliche Fragestellungen,
die aus unterschiedlichen Blickpunkten erörtert und weiterentwickelt
werden können.
Die
Verantwortung für Form und Inhalt liegt bei den jeweiligen
Veranstaltern.
Den inhaltlichen und strukturellen Rahmen für das Gesamtprogramm
setzen die Auftaktveranstaltung „Bildung zwischen Selbstsorge und
Staatlichkeit“, eine Zwischenbilanz und die Abschlussveranstaltung
„Was nun?“ (siehe Programm). Aus verschiedenen Blickrichtungen soll
zu Anfang ein Ausblick auf unterschiedliche Vorstellungen von
Bildung geworfen und die Verknüpfung zu den geplanten
Veranstaltungen aufgezeigt werden. Am Ende der 100 Tage werden wir
die Frage thematisieren, ob und in welcher Form es eine Fortsetzung
von Aktivitäten zum Themenbereich „Bildung – Migration –
Ausgrenzung“ geben soll.
Initiator und
Organisator ist die Bildungs-AG des documenta12 Beirats (Axel
Knüppel, Bernd Waltenberg, Bernd Czellnik, Christine Knüppel). Seit
Ende März 2007 hat sich die Arbeitsgruppe zu einem Netzwerk von ca.
40 Einzelpersonen und Institutionen erweitert, welches Kooperationen
verabredet, inhaltliche Fragen diskutiert und das Programm von zur
Zeit 30 feststehenden Veranstaltungen koordiniert.
Welche Bedeutung hat der Standort
des Bildungszeltes?
Die Gottschalkstraße
in der Kasseler Nordstadt ist eine „Bildungsstraße“. Wie an kaum
einem anderen Ort der Stadt konzentrieren sich dort
Bildungseinrichtungen. Angefangen bei der Universität Kassel mit
Spitzenforschung, Ausbildung usw. führt der Weg an der
Schuldenberatung, dem Büro gegen Rassismus, dem Archiv der deutschen
Frauenbewegung über das Kulturzentrum Schlachthof mit
Alphabetisierungs- und Integrationskursen für Zugewanderte zum
dritten Berufsschulzentrum…
Daher ist der Platz vor dem Schlachthof als Anfangs- oder Endpunkt
ein passender Standort für das Bildungszelt.
Was hat das Bildungszelt mit Schlachthof und documenta zu tun?
Die documenta möchte
ihren BesucherInnen eine aktive Teilnahme an der Ausstellung
ermöglichen. Diesen Anspruch hat die Arbeitsgruppe zur Bildung
aufgegriffen und versucht, das mit dem Bildungszelt umzusetzen.
Dabei bezieht sich das sowohl bei der documenta als auch beim
Bildungszelt auf das Gesamte wie auf die einzelne Veranstaltung, dem
entsprechen beim Bildungszelt die vielfältigen Formen der
Veranstaltungen und die Unterschiedlichkeit der angesprochenen
Teilnehmer. Für die einzelne Veranstaltung zeigt das exemplarisch
die Auftaktveranstaltung. Was für den Anspruch der documenta und
davon abgeleitet für das Bildungszelt gilt, gilt ebenso für das
Kulturzentrum Schlachthof.
Bei allen gilt:
-
warte nicht auf andere, nimm die Dinge selbst in
die Hand
-
vertraue auf die Fähigkeiten der anderen
-
unterstütze die Aktivitäten der anderen mit Deinem
Wissen und Können
-
suche einen gemeinsamen Rahmen, der vor
Beliebigkeit schützt, in der alle Gäste gleichberechtigte
Teilnehmer werden.
www.documenta12.de
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