| Interview des Monats |
| An dieser Stelle werden
in lockerer Reihenfolge Interviews mit Kulturschaffenden, KünstlerInnen und PolitikerInnen veröffentlicht. |
LAKS-Interview mit Staatsminister Udo Corts
Seit
April 2003 ist
Udo Corts Hessischer Minister für
Wissenschaft und Kunst. Der gebürtige Hannoveraner kandidierte für den
Wahlkreis Frankfurt am Main.
Im Gespräch mit der LAKS Hessen äußerte sich Udo Corts zu seinen bisherigen Eindrücken und Aktivitäten sowie zu künftigen kulturpolitischen Schwerpunktsetzungen.
Herr Minister Corts, welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Ich habe in jüngster Zeit eine Ausstellung Heiner Meyers eröffnet, den Film „Goodbye Lenin" angesehen und die Museumsnacht in Kassel besucht.
Was war Ihr erster Zugang zu Kunst und Kultur?
Meine Erziehung in der Familie; Klavierunterricht!
Kommen wir auf die Landeskulturpolitik zu sprechen. Bitte vervollständigen Sie den Satzanfang „Kulturpolitik muss …":
Kulturpolitik muss dafür Sorge tragen, dass prinzipiell alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu kulturellen Einrichtungen und zu kulturellen Ereignissen finden.
Die im politischen Raum gewährte Einarbeitungs- und Schonfrist von 100 Tagen ist vorüber. Wie sehen Ihre bisherige Zwischenbilanz und ihre Eindrücke nach den ersten Monaten aus?
Meine Zwischenbilanz sollten andere beurteilen! Es ist mir aber gelungen, wichtige kulturelle Themen und Projekte anzustoßen und auf den Weg zu bringen. Ich nenne als Beispiele die Stichworte Biennale, Hessen liest und Museumspark Wilhelmshöhe. Ich stelle fest, dass mir Kulturpolitik ebenso wie Wissenschafts- und Hochschulpolitik Spaß macht, und ich denke, dass ich noch einiges mehr als bisher bewegen kann. Das ist in Zeiten knapper Kassen sicher nicht einfach, aber Herausforderungen spornen mich an.
Wo sehen Sie die kulturpolitischen Herausforderungen und Ihre kulturpolitischen Schwerpunkte für die kommenden Jahre?
Die größte Herausforderung besteht sicher darin, angesichts der Sparzwänge sicherzustellen, dass im Landeshaushalt trotzdem die notwendigen Mittel für Kunst und Kultur zur Verfügung stehen. Einige Schwerpunkte habe ich schon genannt. Die Sicherung des Historischen Erbes ist ein weiteres großes und wichtiges Thema.
Ihre Amtsvorgängerin, Ruth Wagner, hat mit dem Einsetzen einer Unabhängigen Hessischen Kulturkommission etwas Bewegung in die vergleichsweise erstarrte kulturpolitische Landschaft Hessens gebracht. Zudem werden derzeit erstmals durch Ihr Haus und das Wirtschaftsministerium sog. Kulturwirtschaftsberichte erstellt. Wie gedenken sie diese Impulse in Richtung einer zukunftsfähigen Kulturpolitik zu nutzen?
Einige Impulse wurden schon aufgegriffen bzw. angegangen wie
beispielsweise die Theater-Biennale und die Zusammenlegung des Deutschen
Instituts für Filmförderung und des Deutschen Filmmuseums.
Der Kulturwirtschaftsbericht ist jetzt fertig geworden, wird ausgewertet
und dann gemeinsam mit dem Hessischen Wirtschaftminister der Öffentlichkeit
vorgestellt werden. Kultur ist kein weicher, sondern ein harter
Wirtschaftsfaktor, der viele Arbeitsplätze sichert und einen erheblichen
Beitrag zur Wirtschaftskraft Hessens leistet; von seiner Bedeutung für die
Ansiedlung neuer Unternehmen in Hessen einmal ganz abgesehen.
Hessen hat eine reichhaltige Kulturlandschaft zu bieten: Historisches Erbe, eine umfassende Theater- und Museumslandschaft, eine vielfältige freie Kulturszene, um nur einige zu nennen. Auch wenn das Geld in allen Bereichen knapp ist, steht doch insbesondere die so genannte freie Kulturszene als „freiwillige Leistung" immer wieder vor Kürzungs- oder gar Streichungsdebatten. Wie gedenken Sie, dieses Problem mittelfristig zu lösen?
Sicher kann man durch Schwerpunktbildung erreichen, dass die Mittel nicht im Gießkannenprinzip verteilt werden und – wenn Streichungen unumgänglich sein sollten – dass nicht nach der Rasenmähermethode gekürzt wird. Auch durch eine Vernetzung wichtiger staatlicher kultureller Institutionen und Einrichtungen der freien Kunstszene können neue Ressourcen gewonnen werden. Es geht nicht immer nur um mehr Finanzmittel. Die Notwendigkeit zum Sparen kann auch eine Menge an Kreativität und neue Aktivitäten freisetzen.
Kommen wir auf die hessische Soziokultur zu sprechen: Weit über 3.000 Veranstaltungen jährlich, über 500.000 Besucherinnen und Besucher allein bei den Veranstaltungen, Räumlichkeiten für Theater-, Musik- oder inhaltlich arbeitende Gruppen, gesellschaftspolitische Ansprüche und eine hohe Resonanz insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen; auch in Hessen hat sich eine „Erfolgsstory Soziokultur" (Julian Nida-Rümelin, ehem. Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien) entwickelt, die nach wie vor im Wachstum begriffen ist. Wie gedenkt das Land – selbstverständlich in Kombination mit kommunalen Mitteln und Eigenerwirtschaftung der Zentren – die vielfältigen Potenziale der Soziokultur in Hessen abzusichern und die vorhandenen Potenziale weiter auszubauen?
Wir haben eine interministerielle Arbeitsgruppe gebildet, um alle denkbaren Ressourcen für die Soziokultur auszuloten. Am 28. November diesen Jahres findet, wie Sie wissen, in unserem Ministerium gemeinsam mit der LAKS ein bundesweiter Fachkongress statt, der sich auch diesem Thema widmen wird. Die Notwendigkeit zum Sparen ist zwar nicht erfreulich und nicht weg zu diskutieren, aber ich bin von Hause aus Optimist.
Herr Minister, wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Bernd Hesse von der LAKS Hessen.
Anmerkung: Das Interview fand vor der Verkündung des Sparpakets der Landesregierung
statt.
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Weitere Beteiligte sind die
Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren
(Berlin/Potsdam), die
Kulturpolitische Gesellschaft
(Bonn) sowie der
Fonds Soziokultur
(Bonn). Im Mittelpunkt des Kongresses steht die Entwicklung
zukunftsfähiger Förderstrukturen zu dem Themenkomplex
„Landesförderung und Soziokultur". |

Ich freue mich sehr, Sie zu dem ersten bundesweiten Fachkongress zum Thema Soziokultur am 28. November 2003 im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst begrüßen zu dürfen.
Hinter dem Terminus Soziokultur verbirgt sich die in den siebziger Jahren laut gewordene Forderung, die der frühere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann einmal mit dem Schlagwort "Kultur für alle" umrissen hat. An der Berechtigung der Erwartung, allen in Hessen lebenden Menschen ein attraktives Kulturangebot zu bieten, hat sich nichts geändert. Soziokultur will nach wie vor in der ganzen Breite der Bevölkerung die Entfaltung ästhetischer, kommunikativer und sozialer Fähigkeiten sowie Ausdrucksformen entwickeln und zur aktiven Teilnahme am kulturellen Leben ermuntern.
Dieser Bundes-Kongress wird sich mit einer abermals verschärften finanziellen Lage der öffentlichen Hand in Deutschland auseinandersetzen müssen. Ich möchte Sie hiermit alle ermuntern, unter Berücksichtigung der aktuellen, unausweichlichen Gegebenheiten Konzepte zu erarbeiten, wie aus Ihrer Sicht auch künftig eine sinnvolle soziokulturelle Arbeit mit vielleicht neu definierten Schwerpunkten organisiert werden kann.
Der Tagung wünsche ich einen guten Verlauf und greifbare Ergebnisse.
Udo Corts
Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst
© Soziokultur Online 2003 (LAKS Hessen e.V., www.laks.de)
