| Interview des Monats | |
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An dieser Stelle werden in lockerer Reihenfolge Interviews mit Kulturschaffenden, KünstlerInnen und PolitikerInnen veröffentlicht. |
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Kein schlechtes Gefühl

Wie ist es zu Local Heroes gekommenn?
Das Abenteuer hat für mich in der Praktikantenzeit im Kulturzentrum Schlachthof Kassel
begonnen, weil wir auf diesem Weg offene Bühnen für junge Bands zur Verfügung stellen konnten. Dann fragten mich die Niedersachsen, ob ich in Hessen den Local Heroes Contest initiieren wolle.Woher kommt der Name?
Local Heroes gibt es bereits seit 17 Jahren bundesweit. Die Idee ist, junge Bands mit einem eigenständigen Programm bekannt zu machen. Bei uns im Schlachthof wurden bisher sechs mal Local Heroes veranstaltet, mit jeweils 3 Bands.
Local Heroes Contest findet nun erstmals in Hessen statt. Wer nimmt Teil? Und wer entscheidet?
Ja, die Idee ist
deckungsgleich mit unserer lokalen Reihe. Knapp 250 Bewerbungen sind bei uns
eingegangen. Davon haben wir 23 Bewerber ausgewählt. Die Vorrunden finden im
September im MuK Giesen und im Kulturzentrum Schlachthof Kassel statt.
Die Vorauswahl auf der Basis von Tonträgern, Song-Texten, Fotos und
Bandinformationen trafen wir mit den Kollegen vom MuK Giessen. Beim Finale wird auch Michael Rappe – jetzt Professor in Köln und
einer meiner Vorgänger hier im Schlachthof – als Juror aktiv werden. Neben den Juroren
von der Presse wird auch das Publikum eine Stimme haben.
Wo findet alles statt?
Die Vorrunden sind am 13. und 14. September im MuK Giesen und am 15. und 29. September im Kulturzentrum Schlachthof Kassel.Das Finale findet am 27.Oktober in der Discotheque Spot in Kassel statt. Auch die Bundessieger vom letzten Jahr werden hier spielen.
Wo liegt der Nutzen der Veranstaltung?
Wir bieten Auftrittsmöglichkeiten und Informationsaustausch für die Gruppen. Wir hoffen, das Selbstbewusstsein der einzelnen zu stärken und einen Anreiz zum Weiterkommen zu bieten. Dazu können workshops dienen und unser Plan, einzelne Bands auf Tour zu schicken. Dies alles soll auch eine soziale Komponente haben: mehr Bands, mehr Zuhörer und keine mainstream-Veranstaltungen; neue, ideenreiche, kreative Rock- und Popmusik ist gefragt. Hier sollen Querdenker und Ideen eine Chance erhalten. Musik steht ja immer noch an erster Stelle bei den Jugendlichen. Musik beinhaltet, neben allem anderen, für die Jugendlichen eine gewisse Persönlichkeitsentfaltung – Charakter und Charaktere, die wir auch suchen. Daher sind z.B. keine Cover zugelassen. Allein die Möglichkeit für eine gewisse Art von Entfaltungsmöglichkeit bedeutet für mich aber auch die schon erwähnte Festigung und Steigerung des Selbstbewusstseins der Jugendlichen. Wie dies alles im relativ engen Raster von Local Hereos möglich ist, wird sich zeigen! Die Bewerbungen waren auf jeden Fall sehr viel versprechend, und die Geschichte von Local Heroes Deutschland zeigt, dass zumindest Teile dieser Ansprüche auch erreicht werden können.Sind noch Anmeldungen möglich?
Anmeldungen in diesem Jahr, auch Anfragen, sind nicht
mehr sinnvoll. Neue Bewerbungen werden ab 1.1. 2007 bearbeitet. Einsendung per
Post an
Wolfram Benczek, Kulturzentrum Schlachthof Kassel, Mombachstraße 12,
34127 Kassel.
Der Neuigkeitswert von Rock- und Popmusik ist bekanntlich gering,
diese Musik stagniert seit ihrem Erscheinen erfolgreich dahin. Die
Ausschreibung gibt ein engstirniges Raster einzig für Rock-Besetzungen vor.
Keine Bandbreite, selektive Ästhetik, nicht Vielfalt – sondern Einfalt?
Auch die Musikstile werden in Zukunft nicht mehr
zwingend vorgegeben sein. Local Heroes Deutschland hat das bereits geändert,
leider während unsere Vorbereitungen schon in vollem Gange waren. Und wir
werden das in der Ausschreibung 2007 auch tun.
Eine wirkliche Öffnung im Sinne von Vielfalt statt Einfalt allerdings stößt
an Grenzen. Veranstalter haben Überlebensprobleme und neigen zum
vorauseilenden Gehorsam. Auch wir wollen vermeiden, dass jemand beim Publikum
keine Chance hat: Bands bringen ihr Publikum mit.
Local Heroes reicht dem Publikum "Ideelle Charakterzüge" zum Nachwuchscontest
und erwähnt Regeln der Verfassungsrechtlichkeit (Texte, Symbole). Wem nützt
das angesichts der Tatsache, dass Rechtsextreme seit Jahrzehnten die
Beliebigkeit von Rock- und Popmusik zu ihrer Ästhetik erkoren haben?
Wir wollen keine gut verkaufbare, sondern
eigenständige Musik. Und, nun ja, gerade weil wir Rechtsextreme von Vornherein ausschließen wollen, steht es so in der Teilnahmevoraussetzungen. Aus
diesem Grund heraus verlangten wir auch die Texte. Zudem sind die Musikstile
bei Local Heroes in Zukunft nicht mehr vorgegeben. Dadurch, dass große
finanzielle Preise bei Local Heroes ausgeschlossen sind, selektiert man ja
auch schon ein wenig. Und auch bei der Durchsicht der Bewerbungen, der Texte
hatten wir kein schlechtes Gefühl. Rechtes, fremdenfeindliches,
verfassungswidriges, wie auch immer geartetes kam nicht ein einziges Mal vor,
das Gegenteil jedoch sehr wohl. Und gerade weil Rechtsextreme diese Musik für
sich nutzten, sollten wir nicht weglaufen und weghören, sondern eben auch
genau die Rock- und Popmusik fordern, fördern und nutzen; nicht immer nur das
Außergewöhliche, die so genannten Randerscheinungen etc. Es ist nun einmal die
Musikrichtung, die am meisten, gerade von Unpolitischen und der breiten Masse
konsumiert wird. Daher wird es auch rechtsextreme Musik bei Local Heroes nie
geben. Trotz allem soll es bei Local Heroes aber in erster Linie um die
Jugendlichen und die Musik gehen, nicht um Politik.
Wie wird es weitergehen?
Wir haben Anfragen von Veranstaltern aus Darmstadt, Frankfurt und Südhessen für das nächste Jahr. Ich würde es sehr gerne weiter betreuen. Östereich oder Ungarn sind 2006 schon dazugekommen. Teile des ehemaligen Jugoslawien und Griechenland werden im nächsten Jahr wahrscheinlich auch dabei sein. Das Ziel ist eine europaweite Vernetzung in jedem Landkreis und in jeder Stadt. Alle hessischen Veranstalter sind daher aufgerufen, sich bei mir zu melden, damit es in Hessen nächstens mehr als nur 2 Veranstalter gibt.
Lieber Wolfram Benczek, ich danke für dieses Gespräch
Das Interview führte Jürgen Leinhos am 1. September 2006
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Local Heroes in Hessen:
Finale am 27.Oktober in der Discotheque Spot in Kassel Neue Bewerbungen ab 1.1. 2007 per Post bei Wolfram Benczek, Kulturzentrum Schlachthof Kassel, Mombachstraße 12, 34127 Kassel. |
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© Soziokultur Online 2006 (LAKS Hessen e.V., www.laks.de) |
