Das spüren die Leute!

Was immer man von oder über Edgar Knecht und seine Band liest, hört oder sieht, ob Publikum, Medien oder Veranstalter: Die Reaktionen sind immer begeistert. Im Interview mit der LAKS äußert sich der Kasseler Pianist über seinen musikalischen Ansatz, Musik aus der Vergangenheit mit vielen Facetten in das Hier und Jetzt zu transformieren, sowie zu creole - globale Musik aus Deutschland.

Edgar, ihr spielt alte Volkslieder. Ohne Gesang. Und fast immer sehr lang. Das klingt erst mal ein wenig spröde. Aber egal, wo ihr spielt, gibt es begeisterte Reaktionen und standing ovations. Was glaubst du, ist der Reiz dieser Musik?

Also zunächst einmal spielen wir nicht Volkslieder, sondern die Kompositionen, die ich schreibe, beruhen auf Volksliedern, das ist ein großer Unterschied. Ich nehme mir dabei die wunderschönen alten Melodien so zur Brust, wie das beispielsweise amerikanische Jazzmusiker mit Schlagern vom Broadway machten und damit eine ganz neue Musik kreierten. Und da ich mit Mitteln der Klassik, des Jazz und der Weltmusik arbeite, werden aus kleinen Volksliedern sozusagen große musikalische Geschichten. Dabei spielt es eine zentrale Rolle, dass das unsere eigenen Geschichten sind, die aus unserer eigenen erlebten Tradition stammen. Daher sind wir beim Spielen unserer Musik so authentisch und lebendig, wie man es beispielsweise bei Musikern aus Kuba oder New Orleans so schätzt. Ich bin sicher: Das spüren die Leute!

Was gibt es auf eurer neuen CD und den Konzerten zu hören?

Dance On Deep Waters, unser neues Album, beruht auf einigen der schönsten und gehaltvollsten Lieder der Romantik. Da geht es um große Themen wie Liebe, Tod und Freiheit. Also gibt es Balladen mit einigem Tiefgang wie den Song von den beiden Königskindern, die von Tiefen Wassern getrennt sind, aber auch "großes Kino" mit tänzerischen und sehr dynamischen rhythmischen Passagen wie beispielsweise in Schwesterlein. Das ganze Spektrum dieser großen Gefühle eben.

Alte Lieder stehen für alte Zeiten? Oder wie aktuell sind diese Lieder? Welche Bedeutung hat zum Beispiel "Die Gedanken sind frei" angesichts NSA, Prism oder auch die Debatten um Urheberrecht und geistiges Eigentum?

Neben dem Anliegen, wunderbare tradierte Lieder durch zeitgemäße Neukompositionen wieder ins Bewusstsein zu rücken, ist es mir besonders wichtig, gerade mit dem Song Gedankenfreiheit zu zeigen, dass wir auch über eine große humanistische Tradition verfügen, die es stetig zu reflektieren und neu zu beleben gilt! Damit möchte ich natürlich auch dafür sensibilisieren, wie aktuell und wichtig dieses Thema heute ist!

In den bisherigen Runden drei Runden von creole - globale Musik wart ihr bereits zwei Mal im Hessenfinale und habt auch als Hessensieger 2011 - neben Bändi aus Frankfurt - die hessischen Klang-Farben auf Bundesebene in Berlin vertreten. Dabei habt ihr nicht nur den Jurypreis, sondern auch den Publikumspreis gewonnen. Welche Bedeutung hat solch ein Wettbewerb, bei dem ja nicht nur Äpfel und Birnen, sondern auch Kiwis oder Mangos in den Vergleich gestellt werden?

Ich denke, einer der Hauptaspekte des Wettbewerbs ist ja das Aufzeigen der großen Bandbreite an guter und spannender Weltmusik, die in Deutschland gemacht wird. Und es geht darum, dieser Musik eine Bühne und mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Insofern ist creole in jedem Fall eine großartige und wichtige Veranstaltung. Für uns persönlich, war es eine fantastische Bestätigung unserer Arbeit, wir haben uns auch über den Publikumspreis sehr gefreut. Es gibt Leute, für die beginnt Weltmusik erst ab 800 Flugkilometern (lacht). Mir ging es darum zu zeigen, dass auch Deutschland wunderbare musikalische Traditionen hat und das man diese spannend, modern und mitreißend in die Gegenwart transformieren kann. Und den Erfolg dieses Ansatzes haben Publikums- und Jurypreis eindrucksvoll bewiesen.

Hat creole für euch als Musiker / Band konkret etwas genutzt?Wenn ja, was?

In jedem Fall! Durch unseren Erfolg dort sind Veranstalter und Agenturen auf uns aufmerksam geworden, es haben sich viele tolle Konzerte daraus ergeben und insgesamt ist unsere Präsenz in den Medien und im Bewusstsein der Leute deutlich gestiegen.

Gibt es sonst noch etwas, was du an dieser Stelle loswerden möchtest?

An die Veranstalter: Macht weiter so! Und an alle anderen: Geht hin, es gibt tolle Musik zu entdecken!

Edgar, vielen Dank und weiterhin gutes Schaffen!

Weiterführender Link: www.edgarknecht.de

Das neueste Video von Edgar Knecht bei Youtube:

Edgar Knecht - Schwesterlein

http://www.youtube.com/watch?v=CWdLofE1X_g

Links zu creole Hessen und creole-weltmusik.de

Foto: © N. Klinger, N. Eisenlohr

 

 

Das Interview führte: Bernd Hesse © 2013 LAKS Hessen e.V, www.laks.de