Immer in Bewegung

Frank Düllmann (Café Trauma)

2012 feiert das Cafè Trauma in Marburg sein 25jähriges Bestehen. Im Interview mit der LAKS äußert sich Frank Düllmann vom aktuellen Trauma-Team zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie den strukturellen Besonderheiten des soziokulturellen Zentrums, in dem Jahr für Jahr über 250 Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden.

Frank, das Kulturzentrum Café Trauma feiert in diesem Jahr  25jähriges Bestehen.  Was hat sich aus der „Interessengemeinschaft Teestube“, die sich 1987 zusammen fand, alles entwickelt?

Nun, zunächst waren da einige Zivildienstleistende in der Marburger Psychiatrie tätig, die Ideen für alternative Ansätze in der Arbeit mit psychisch kranken Jugendlichen entwickeln wollten.  Schnell war ein Ort zur Umsetzung dieser Ideen gefunden - der Koch’sche Pavillon. Dieser wurde in Eigenregie renoviert, bezogen und er erhielt den Namen Café Trauma. Um die sich entwickelnde Teestuben-Arbeit aufzupeppen, wurde schon mal ein bisschen Hand-Made-Musik gemacht, und es wurden erste Lesungen und Partys veranstaltet.

Wie ging es dann weiter?

Mit dem links-alternativen Kulturprogramm und seinen basisdemokratischen Strukturen wird das Café Trauma schon sehr bald zu einem Ort, an dem sich zahlreiche Menschen aus dem linken Spektrum treffen und austauschen. Anfang der 90er Jahre ist das Café Trauma  bereits ein „richtiges“ Kulturzentrum, dessen ursprünglicher Anspruch in den Hintergrund getreten ist.

Nischen besetzen, das Neue entdecken, Kultur reflexiv aufarbeiten und für linke Inhalte stehen war und ist seither das Leitbild der im Café Trauma aktiven Leute.

2005 musstet ihr dann die Räume wechseln…

Der Umzug vom Café Trauma in der Robert-Koch-Straße in das neue Café Trauma im G-Werk fand 2005 statt und war nicht nur ein gewaltiger Kraft-,  sondern auch ein finanzieller Drahtseilakt.

Es ist, denke ich, immer ein Risiko, eine mehr oder weniger organisch gewachsene Struktur hinter sich zu lassen und letztlich doch neu anzufangen. Mit neuem Team und zahlreichen neuen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ist aber auch der Neuanfang geglückt.

Eure Jubiläumsfeier im Mai fand unter dem Motto „25 Jahre Trauma – 25 Jahre Unfug auf Weltniveau“ statt. Unfug?

Das Motto spiegelt natürlich unseren ironisch selbstbewussten Umgang mit  einer Außenwahrnehmung wieder, die all dem unverstandenen, unbekannten und abseitigen Zeug, mit dem wir uns hier beschäftigen, nicht allzu viel Wert beimisst. Wir sind der Meinung, Unfug muss konsequent und auf Weltniveau betrieben werden, um einer durchgeknallten Welt den Spiegel vorzuhalten.

Was sind eure kontinuierlichen Schwerpunkte? Welche „Highlights“ gibt es?

Das Filmfest „OpenEyes“ ist sicher eines unserer jährlich wiederkehrenden Highlights. Wir freuen uns auf das 20jährige Jubiläum von OpenEyes im nächsten Jahr. Darüber hinaus findet jeden Donnerstag aufs Neue die langlebigste Party der Stadt, der Donner's'dance, statt – eine Marburger Institution, die schon zwanzig Jahre lang existiert.

Ansonsten sind wir ganz bewusst wenig Highlight- und gar nicht Eventkultur geleitet. Wir konzentrieren uns – wie schon erwähnt – eher auf  das Neue und gesellschaftspolitisch Relevante.

Was sind die Besonderheiten bei dem, was ihr macht? Und vielleicht auch in der Art und Weise, wie ihr es macht?

Das Besondere ist, dass die inhaltliche Arbeit vor allem ehrenamtlich geleistet wird. Derzeit existieren gut zehn Gruppen und Untergruppen, die das Programm erstellen. Einmal wöchentlich im sogenannten Arbeitsausschuss wird abschließend über die Programmideen diskutiert und das Programm festgelegt. Hier im Arbeitsausschuss werden auch alle Belange des Hauses verhandelt. Dabei wird möglichst der Konsens aller angestrebt.

Das studentische Element bei euch sorgt im Mehrjahresrhythmus für personelle Wechsel. Wohin hat es bisherige Akteure verschlagen? Und welche Rolle spielten die Erfahrungen aus dem Trauma dabei?

Leider bricht der Kontakt zu vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen nach deren Fortgang in andere Städte ab. Aber es gibt auch zahlreiche Leute, die immer mal wieder auftauchen und nach ihrem alten Trauma schauen. So war es besonders schön, zu  unserer Jubiläumsveranstaltung „25 Jahre Café Trauma“ viele alte Bekannte wieder zu treffen. Ehemalige fest angestellte Mitarbeiter/-innen haben durchaus einen Karrieresprung vollzogen So ist zum Beispiel ein ehemaliger Geschäftsführer mittlerweile Kulturamtsleiter in Eberswalde oder eine andere ehemalige Mitarbeiterin ist beim Bundesverband Jugend und Film e.V. tätig.

Eine Prognose: Wie wird sich das Trauma entwickeln?

Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Kulturlandschaft ganz allgemein und hier vor Ort entwickeln wird. Es ist nicht unbedingt die Zeit für Neugründungen kultureller Initiativen wie noch vor 25 bis 30 Jahren. Darüber hinaus ist zur Zeit aber auch nicht abzusehen, wie sich zukünftige Generationen bei uns einbringen und mit den vorhandenen Strukturen arbeiten werden. Eine Prognose ist daher nur sehr schwer zu stellen. Das Trauma ist eigentlich immer in Bewegung. Und versucht dennoch, sich  auf seine Weise treu zu bleiben

Frank, wir danken für das Gespräch und weiterhin alles Gute.  

 

Foto Außenansicht: Anastasia Haferkorn (2010)

Das Interview führte: Bernd Hesse © 2012 LAKS Hessen e.V, www.laks.de